Erlebnisbericht

Aus dem Tagebuch einer Zweijährigen

Wigry - Juni 2013

Seit zwei Wochen muss meine Oma jeden Tag mit mir „Zug-fahren“ spielen. Wollt ihr wissen, warum? Aber zunächst möchte ich mich vorstellen: Ich heisse Helena und bin 2 Jahre alt! Vor einer Weile packte meine Mama viele Koffer… sehr viele Koffer und wir fuhren mit Mila und Lene – und natürlich meinen Geschwistern Hophie und Hulian - sehr lange im Zug. Ich finde das ja gut-  mitten in der Nacht umzusteigen und das nicht nur einmal (!) hat was!! Unsere Mamas fanden es irgendwie nicht soo toll- keine Ahnung, warum… Aber irgendwann waren wir doch da. Wo? Das wusste ich erst mal auch nicht so genau, die anderen sagten: Wigry oder so ähnlich. Auf jeden Fall gab es dort viel hellen Himmel, auch nachts. Und viel Wasser- die Großen sagten, so klar wie sonst nirgends. Mir war das egal, aber das Planschen, Segeln mit dem Mann mit Bart (Leszek), Rudern (immer im Kreis, bis nette Leute vorbei kamen und uns abschleppten) und Paddeln war prima. Außerdem gab es sooo viel Platz und eine Kirche mit echtem Gerippe im Keller!!

Ausser dem Gerippe gabs jede Menge lebende Große und die waren gut drauf: Selbst wenn ich abends schon lange schlafen hätte sollen, hörte ich sie noch im Hof lachen. Sie hatten wohl ziemlich Spass und schwärmten dauernd von der tollen Landschaft, der Stille (haha… dabei sangen sie die halbe Nacht entweder am Lagerfeuer oder Karaoke an der Bar!!). Manchmal war von spannenden Seminaren und neusten Suggestionen die Rede… keine Ahnung, was das sein soll?! Am meisten hat mir gefallen, dass die Großen so fröhlich waren; schon morgens, wenn ich aufstand, machten sie lustige Verrenkungen im Hof - sie nannten es: „Tai-Chi“-hört sich an, wie was Komisches zum Essen… (A propos: Das Essen war lecker; Würstchen zum Frühstück :-) ) und abends hüpften sie zur Musik herum -habe gehört, das war „Salsa“).

Aber das absolut Beste in Wigry war- dreimal dürft Ihr raten- ICH! Zusammen mit den anderen Kindern und einige von den Großen habe ich zaubern gelernt und am letzten Abend meinen ultimativen Entfesselungszauber vorgeführt:

Danach waren die Großen so aufgekratzt, dass sie gar nicht mehr einschlafen konnten und haben die ganze Nacht getanzt…bis morgens die Taxis kamen und uns zum Bahnhof brachten. Diesmal durften wir noch viel öfter umsteigen - ich fands toll- die anderen Kinder auch. Auch das Übernachten am Bahnsteig in Warschau war klasse.

Als wir, Mama sagte, nach 40 Stunden Fahrt, in unserem Heimatbahnhof einfuhren, fragte meine große Schwester ganz enttäuscht: „Sind wir schon da? … Oh, wie schade!! Dann ist Wigry ja jetzt vorbei.“ Naja, es war einfach superschön, nächstes Mal sind wir wieder dabei!